Nach unserer großen Skandinavien-Rundreise zieht es uns diesmal auf die Insel aus Feuer und Eis: Im Herbst 2022 erkunden wir den Süden Islands: von der Reykjanes-Halbinsel über den Goldenen Kreis und die Wasserfälle der Südküste bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón und zum Fotospot Stokksnes im Südosten.
Der Herbst ist dafür eine wunderbare Reisezeit: Die Sommermassen sind abgereist, das tief stehende Licht taucht Wasserfälle und schwarze Strände in warme Farben, und sobald es dunkel wird, stehen die Chancen auf Nordlichter gut. Dafür muss man das Wetter nehmen, wie es kommt: Sonne, Regen und Sturm wechseln sich gern im Stundentakt ab. Wie wir unsere Route entlang der Ringstraße geplant haben, welche Stopps sich lohnen und wo wir übernachtet haben, liest du in diesem Bericht.
Ankunft in Island & die Halbinsel Reykjanes
Schon beim Landeanflug auf Keflavík zeigt Island, dass hier vieles anders ist: Statt Wäldern und Wiesen breiten sich moosbewachsene Lavafelder bis zum Horizont aus. Wir übernehmen den Mietwagen direkt am Flughafen und bleiben für die erste Nacht bewusst in Keflavík. So starten wir am nächsten Morgen ausgeschlafen, und die ersten Highlights der Reykjanes-Halbinsel liegen quasi vor der Haustür.
Übernachtung: Courtyard by Marriott Reykjavík Keflavík Airport
Aðalgata 60, 230 Keflavík, wenige Autominuten vom Terminal
Für An- und Abreise hat sich das Courtyard by Marriott in Keflavík bewährt: moderne, ruhige Zimmer, ein ordentliches Frühstück und die kurze Fahrt zum Flughafen nehmen dem ersten und letzten Reisetag jeden Stress. Vor der Tür liegt der kleine Hafen von Keflavík, ideal für einen ersten Spaziergang gegen die Müdigkeit nach dem Flug.
Stopp 1: Brücke zwischen den Kontinenten
Straße 425 bei Sandvík, Reykjanes; Parkplatz direkt an der Brücke
Unser erster Stopp ist ein symbolischer: Die kleine Stahlbrücke bei Sandvík überspannt einen Grabenbruch zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte. Island liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken, und nirgends lässt sich das so anschaulich erleben wie hier: In wenigen Schritten „wandern“ wir von einem Kontinent zum anderen. Der Halt ist schnell gemacht, die Szenerie aus schwarzem Sand und zerklüfteter Lava stimmt aber perfekt auf die Halbinsel ein. Eine steife Brise sollte man einplanen: Reykjanes gehört zu den windigsten Ecken der Insel.

Stopp 2: Geothermalgebiet Seltún
Straße 42, Krýsuvík; Holzstege, Rundweg ca. 30 bis 45 Minuten
Im Geothermalgebiet Seltún bei Krýsuvík brodelt und dampft die Erde: Schlammtöpfe blubbern, Fumarolen zischen, und die Hänge leuchten in Senfgelb, Rostrot und Grau; dazu liegt der typische Schwefelgeruch in der Luft. Auf Holzstegen führt ein kurzer Rundweg mitten durch das Thermalfeld und auf einen kleinen Aussichtshügel.
Gerade in der kühlen Herbstluft wirken die Dampfsäulen besonders eindrucksvoll. Wichtig: unbedingt auf den Stegen bleiben, denn der Boden neben den Quellen ist stellenweise nur eine dünne Kruste über kochendem Wasser.


Der Goldene Kreis
Der Goldene Kreis ist die klassische Tagesrunde im Südwesten Islands und verbindet drei Schwergewichte: den Nationalpark Þingvellir, das Geysir-Gebiet Haukadalur und den Wasserfall Gullfoss. Im Sommer teilt man sich die Highlights mit unzähligen Reisebussen. Im Herbst haben wir vor allem am Morgen erstaunlich viel Ruhe an Orten, die zu den meistbesuchten des Landes zählen.
Stopp 1: Nationalpark Þingvellir mit Öxarárfoss
Straße 36, Parkplätze P1 bis P5 (gebührenpflichtig), UNESCO-Welterbe
Þingvellir ist gleich doppelt bedeutend: Geologisch wandern wir hier durch die Allmännerschlucht Almannagjá, wo die Kontinentalplatten sichtbar auseinanderdriften; historisch stehen wir am Gründungsort des Alþingi, das um das Jahr 930 hier zusammentrat und als eines der ältesten Parlamente der Welt gilt. Der Weg durch die Schlucht hinunter zur Ebene mit Blick über den See Þingvallavatn ist im Herbst besonders schön, wenn sich Birken und Gräser golden färben.

Ein kurzer Abstecher führt zum Öxarárfoss, der über die Kante der Almannagjá in ein Becken voller Felsblöcke stürzt. Über einen Holzsteg ist er bequem erreichbar. Sehenswert ist auch Öxarárhólmi, die kleine Insel im Fluss Öxará: Auf ihr sollen zur Zeit der Wikinger Zweikämpfe ausgetragen worden sein.

Weitere Infos: thingvellir.is
Stopp 2: Strokkur im Geothermalgebiet Haukadalur
Haukadalur, Straße 35; Eintritt frei, Parkplatz am Besucherzentrum
Im Hochtemperaturgebiet Haukadalur schlummert der Große Geysir, der allen Springquellen der Welt seinen Namen gab; ausgerechnet er ist heute weitgehend inaktiv. Dafür liefert sein Nachbar Strokkur zuverlässig ab: Alle fünf bis zehn Minuten wölbt sich die türkisblaue Wasserblase und schießt eine Fontäne von 15 bis 20 Metern in den Himmel.
Wir bleiben gleich für mehrere Ausbrüche, denn kaum irgendwo lässt sich die Kraft aus dem Erdinneren so gut beobachten. Fototipp: mit Serienbildfunktion auf die Blase warten und windabgewandt stehen, sonst gibt es eine warme Dusche.


Stopp 3: Gullfoss
Straße 35, Aussichtsplattform und Wege oberhalb der Fälle
Der „Goldene Wasserfall“ macht seinem Namen im Herbst alle Ehre: Umrahmt von goldbraunen Hängen stürzt der Gletscherfluss Hvítá über zwei versetzte Stufen insgesamt 32 Meter in eine enge Schlucht. Von der Aussichtsplattform und den Wegen an der Kante eröffnen sich immer neue Blickwinkel, und bei Sonne spannen sich Regenbögen durch die Gischt.
Eine wasserabweisende Jacke ist Pflicht: Je nach Windrichtung steht man am unteren Weg mitten im Sprühnebel. Der Blick vom oberen Plateau zeigt dagegen die ganze Dimension des Wasserfalls.


Wasserfälle & Gletscher an der Südküste
Vom Goldenen Kreis fahren wir hinunter zur Ringstraße und folgen ihr nach Osten. Die Südküste ist Island wie aus dem Bilderbuch: Links begleiten uns steile Klippen mit Wasserfällen und dahinter die Gletscherkuppen von Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull, rechts liegen schwarze Strände und das offene Meer. Die Stopps liegen hier so dicht, dass wir für vermeintlich kurze Etappen fast einen ganzen Tag brauchen.
Stopp 1: Seljalandsfoss
Abzweig Straße 249 von der Ringstraße, Parkplatz gebührenpflichtig
Der Seljalandsfoss fällt 60 Meter frei über eine überhängende Klippe, und genau das macht ihn besonders: Ein Pfad führt einmal komplett hinter dem Wasservorhang hindurch. Der Blick durch das fallende Wasser auf die Ebene ist einmalig, trocken bleibt dabei allerdings niemand.
Regenjacke, am besten auch Regenhose, und Vorsicht auf den nassen Steinstufen. Im Herbst kann der Weg bei ersten Frostnächten glatt werden und wird dann gesperrt. Am schönsten ist der Wasserfall am späten Nachmittag, wenn die tiefe Sonne von Westen direkt in die Gischt scheint.


Stopp 2: Gljúfrabúi
Ca. 700 m zu Fuß nördlich vom Seljalandsfoss
Nur ein paar Gehminuten weiter versteckt sich der Gljúfrabúi, der „Schluchtenbewohner“. Von außen ist kaum zu erahnen, was hinter dem Felsspalt wartet. Wer über die Trittsteine durch den kleinen Bach in die Felskammer balanciert, steht plötzlich in einer offenen Grotte, in die der Wasserfall von oben hereinstürzt. Ein magischer Ort, den viele Besucher des Seljalandsfoss schlicht übersehen. Wasserdichte Schuhe sind hier Gold wert, und die Kamera packt man am besten erst in der Kammer aus.

Stopp 3: Skógafoss
Skógar, direkt an der Ringstraße; Treppe zur oberen Plattform
Der Skógafoss ist mit 60 Metern Höhe und 25 Metern Breite einer der imposantesten Wasserfälle Islands und zugleich einer der zugänglichsten: Vom Parkplatz spazieren wir auf dem flachen Flussbett bis fast an den Fuß des Falls, wo an sonnigen Tagen fast immer ein doppelter Regenbogen in der Gischt steht. Der Legende nach vergrub der Siedler Þrasi einst eine Schatztruhe hinter dem Wasserfall.
Wer die gut 400 Stufen der Treppe an der Ostseite hinaufsteigt, wird mit dem Blick über die Abbruchkante, den Fluss Skógá und die Küstenebene belohnt, im Herbstlicht ein Panorama zum Verweilen.


Stopp 4: Gletscherzunge Sólheimajökull
Abzweig Straße 221, ca. 20 Minuten Fußweg vom Parkplatz
Am Sólheimajökull, einer Auslasszunge des Gletschers Mýrdalsjökull, kommen wir dem ewigen Eis zum ersten Mal richtig nah. Vom Parkplatz führt ein einfacher Weg an der Gletscherlagune entlang bis vor die Eiskante. Ein Anblick, der demütig macht: blaues Eis, durchzogen von schwarzen Aschebändern vergangener Vulkanausbrüche, davor treiben kleine Eisbrocken im Schmelzwasser.
Betreten sollte man den Gletscher auf eigene Faust nie, denn Spalten und instabile Kanten sind von außen nicht zu erkennen. Wer aufs Eis möchte, schließt sich einer geführten Gletscherwanderung an, die hier mehrmals täglich startet.


Stopp 5: Flugzeugwrack am Sólheimasandur
Parkplatz an der Ringstraße; ca. 4 km Fußweg pro Richtung, alternativ Shuttle
Im November 1973 musste eine DC-3 der US Navy auf dem schwarzen Sander Sólheimasandur notlanden. Die Besatzung überlebte, das Wrack blieb. Ein halbes Jahrhundert Wind und Salz haben daraus eine der surrealsten Fotokulissen Islands gemacht: silbernes Aluminium, zerbeult und offen, mitten im schwarzen Nichts.
Der Weg dorthin ist Teil des Erlebnisses: knapp vier Kilometer schnurgerade durch die Einöde, ohne Schutz vor Wind und Wetter, gute 45 bis 60 Minuten pro Richtung. Wer Zeit sparen will, nimmt den kostenpflichtigen Shuttle vom Parkplatz. Im flachen Herbstlicht, wenn die Sonne tief über dem Sander steht, wirkt der Ort noch einmal eindrücklicher.


Übernachtung: Guesthouse Vellir
Hof Vellir bei Dyrhólaey, 871 Vík
Übernachtet haben wir auf halbem Weg zwischen den Wasserfällen und Vík im Guesthouse Vellir, einem familiär geführten Gästehaus auf einem Bauernhof unweit von Dyrhólaey. Statt Hotellobby gibt es hier Wiesen, Schafe und einen freien Blick auf Kap und Gletscher. Genau diese Abgeschiedenheit macht den Reiz aus: kein Streulicht weit und breit; in klaren Nächten reicht dafür ein Schritt vor die Tür, um den Himmel nach Nordlichtern abzusuchen.
Rund um Vík: Kap, schwarze Strände & Höhlen
Stopp 1: Kap Dyrhólaey
Straße 218, untere und obere Zufahrt (obere steil und schmal)
Dyrhólaey ist der südlichste Punkt des isländischen Festlands: ein 120 Meter hohes Kap, aus dem die Brandung ein gewaltiges Felsentor gewaschen hat. Vom Plateau am Leuchtturm reicht der Blick auf der einen Seite über einen endlosen schwarzen Strand Richtung Westen, auf der anderen zu den Felsnadeln von Reynisdrangar und landeinwärts bis zur Eiskappe des Mýrdalsjökull.
Die berühmten Papageitaucher, die hier im Sommer brüten, sind im Herbst längst aufs offene Meer hinausgezogen; dafür gehört einem der Aussichtspunkt fast allein. Am Kap kann der Wind brutal auffrischen: genug Abstand zur Abbruchkante halten.

Stopp 2: Reynisfjara
Straße 215, Parkplatz mit Café, westlich von Vík
Reynisfjara ist der wohl berühmteste schwarze Strand der Welt und verdient diesen Titel: Pechschwarzer Sand, die orgelpfeifenartigen Basaltsäulen von Garðar, die Höhle Hálsanefshellir und draußen im Meer die Felsnadeln Reynisdrangar, der Sage nach versteinerte Trolle. Im wechselhaften Herbstlicht, wenn Gischt über den dunklen Sand weht, ist die Stimmung fast unwirklich.
So schön der Strand ist, so ernst muss man ihn nehmen: Die berüchtigten Sneaker Waves greifen ohne Vorwarnung weit den Strand hinauf und haben hier schon Menschenleben gekostet. Deshalb immer großen Abstand zum Wasser halten, nie mit dem Rücken zum Meer stehen und die Warnschilder ernst nehmen.


Stopp 3: Hjörleifshöfði & Yoda Cave
Piste ab der Ringstraße östlich von Vík, Mýrdalssandur; kurzer Fußweg
Mitten aus der schwarzen Sanderebene Mýrdalssandur ragt der Inselberg Hjörleifshöfði, benannt nach Hjörleifur, einem der ersten Siedler Islands. An seiner Flanke öffnet sich die Höhle Gígjagjá, längst besser bekannt als „Yoda Cave“: Von innen gesehen hat der Höhleneingang verblüffend genau die Silhouette des kleinen Jedi-Meisters. Der Abstecher über die Piste ist kurz, kostenlos und ein spaßiger Kontrast zum Naturkino der großen Stopps.

Übernachtung: Hótel Kría in Vík
Suðurvíkurvegur 5, 870 Vík í Mýrdal
In Vík selbst checken wir im modernen Hótel Kría ein. Das Haus liegt am Ortsrand mit Blick über die Dächer Richtung Meer, die Zimmer sind hell und ruhig, und nach einem langen Tag draußen muss man für das Abendessen nur bis ins hoteleigene Restaurant. Von hier sind es außerdem nur ein paar Minuten hinauf zur kleinen Kirche von Vík; ihr rotes Dach über dem Ort ist eines der bekanntesten Fotomotive der Südküste.
Weiter nach Osten: Schluchten, Sander & Skaftafell
Hinter Vík wird das Land weiter und leerer: Die Ringstraße quert die Sanderebenen und das moosüberzogene Lavafeld Eldhraun, das bei einem der größten Ausbrüche der Geschichte im 18. Jahrhundert entstand. Die Etappe Richtung Skaftafell gehört zu den eindrucksvollsten Fahrstrecken der Reise und hat einige Überraschungen am Wegesrand.
Stopp 1: Fjaðrárgljúfur
Abzweig Straße 206 (Schotter) bei Kirkjubæjarklaustur
Die Schlucht Fjaðrárgljúfur windet sich rund zwei Kilometer durch das Land und ist dabei bis zu 100 Meter tief: ein Serpentinenband aus moosgrünen Felswänden, durch das sich unten der Fluss Fjaðrá schlängelt. Vom Parkplatz führt ein Pfad am oberen Rand entlang zu mehreren Aussichtspunkten, jeder mit neuem Blick in die Kurven der Schlucht.
Im Herbst mischen sich Rost- und Goldtöne ins Grün des Mooses. Festes Schuhwerk lohnt sich, der Weg kann matschig sein. Und das Moos bitte nicht betreten, es braucht Jahrzehnte, um sich zu erholen.


Stopp 2: Fossálar
Direkt an der Ringstraße östlich von Kirkjubæjarklaustur
Der Fossálar ist einer dieser Stopps, die auf keiner Highlight-Liste stehen und genau deshalb Spaß machen: Direkt neben der Ringstraße fächert sich der Fluss in mehrere Kaskaden über schwarze Felsstufen auf. Anhalten, fünf Minuten fotografieren, weiterfahren. In fast jedem anderen Land wäre so ein Wasserfall eine Attraktion mit Besucherzentrum; in Island ist er eine Randnotiz am Straßenrand.

Stopp 3: Skeiðarársandur
Ringstraße zwischen Kirkjubæjarklaustur und Skaftafell
Der Skeiðarársandur ist die größte Sanderebene der Welt: ein Schwemmland aus schwarzem Gletschersand, das sich zwischen Vatnajökull und Meer erstreckt. Wie gewaltig die Kräfte hier sind, zeigt ein Mahnmal an der Straße: verbogene Stahlträger der alten Skeiðará-Brücke, die 1996 von einem Gletscherlauf nach einem Vulkanausbruch unter dem Vatnajökull weggerissen wurde. Der Halt lohnt allein für das Panorama: flimmernde schwarze Weite, dahinter die Gletscherzungen und Gipfel des Öræfajökull.

Stopp 4: Svartifoss im Skaftafell
Vatnajökull-Nationalpark, Zufahrt Straße 998; Wanderung ca. 45 Min. bergauf
Im Skaftafell-Gebiet des Vatnajökull-Nationalparks wandern wir vom Besucherzentrum knapp zwei Kilometer bergauf zum Svartifoss. Der „Schwarze Wasserfall“ stürzt über ein Amphitheater aus dunklen, sechseckigen Basaltsäulen, eine Formation, die so perfekt wirkt, als wäre sie gebaut worden. Tatsächlich stand sie Pate für die Architektur der Hallgrímskirkja in Reykjavík.
Im Herbst leuchten die Birken am Weg golden, und auf den Aussichtspunkten oberhalb öffnet sich der Blick über den Sander bis zum Meer. Der Anstieg ist moderat und gut angelegt. Zeit für die Runde: etwa zwei Stunden.


Weitere Infos: vatnajokulsthjodgardur.is
Jökulsárlón, Diamond Beach & Stokksnes
Stopp 1: Gletscherlagune Jökulsárlón
Direkt an der Ringstraße, ca. 80 km vor Höfn
Jökulsárlón ist der Moment, in dem alle im Auto gleichzeitig „wow“ sagen: In der tiefsten Lagune Islands treiben Eisberge, die von der Gletscherzunge Breiðamerkurjökull abgebrochen sind, langsam Richtung Meer, manche schneeweiß, manche gletscherblau, manche von schwarzen Aschebändern durchzogen. Mit etwas Glück tauchen zwischen den Eisbergen die Köpfe neugieriger Robben auf.
Wir bleiben deutlich länger als geplant: Die Szenerie ändert sich mit jedem Windstoß und jedem Lichtwechsel. Im Herbst hat die Lagune einen weiteren Vorteil: Die Reisebusse des Sommers sind weg, und am Ufer findet sich immer ein ruhiger Platz.


Stopp 2: Diamond Beach
Gegenüber der Lagune, Strände beidseits der Flussmündung
Direkt gegenüber der Lagune, wo der kurze Gletscherfluss ins Meer mündet, spült die Brandung die Eisberge zurück an Land: Auf dem schwarzen Sand des Diamond Beach liegen glasklare Eisbrocken wie verstreute Diamanten, bei jedem Besuch anders, je nach Tide und Wind. Am schönsten funkeln sie im tiefen Licht des Morgens oder späten Nachmittags, aus der Hocke fotografiert, wenn die Wellen um das Eis herumziehen. Auch hier gilt wie an allen Südküsten-Stränden: Abstand zur Brandung halten.


Stopp 3: Stokksnes & Vestrahorn
Zufahrt über das Viking Café bei Höfn, kleine Gebühr für das Privatgelände
Zum Abschluss der östlichste Punkt unserer Route und für uns einer der fotogensten der ganzen Reise: Am Kap Stokksnes steigt der 454 Meter hohe Vestrahorn wie eine gezackte Kulisse direkt aus dem schwarzen Dünenstrand auf. Bei ruhigem Wetter spiegelt sich der Berg im nassen Sand, während der Wind Muster in die Dünengräser zeichnet.
Der Zugang führt über das Gelände des Viking Café, wo eine kleine Gebühr fällig wird; auf dem Weg liegt auch ein verwittertes Wikingerdorf, das einst als Filmkulisse gebaut wurde. Wir lassen uns hier treiben, bis das Licht weg ist: Stokksnes ist ein Ort zum Bleiben, nicht zum Abhaken.


Übernachtung: Arnanes Country Hotel bei Höfn
Nesjahverfi, 781 Höfn í Hornafirði
Unser östlichstes Quartier ist das Arnanes Country Hotel, ein Landhotel kurz vor Höfn: ruhige Lage zwischen Wiesen, freundliche Gastgeber und ein weiter Blick über das Vorland bis zu den Gletscherzungen des Vatnajökull. Höfn selbst ist als „Hummerhauptstadt“ Islands bekannt; ein Teller Kaisergranat in einem der Restaurants am Hafen ist der perfekte Abschluss dieser Etappe.

Von Höfn treten wir den Rückweg nach Keflavík an. Dieselbe Strecke, aber keineswegs dieselbe Fahrt: Bei anderem Licht und anderem Wetter zeigen sich viele Stopps noch einmal von einer völlig neuen Seite. Genau das ist der stille Vorteil einer Südküsten-Route ohne komplette Inselumrundung.
Zusammenfassung
Kompakte Reisetipps für Island im Herbst
Sturmfeste Kleidung
Wind- und wasserdichte Kleidung im Zwiebellook ist im Herbst wichtiger als dicke Wintersachen.
Wetter & Straßen checken
Täglich vedur.is (Wetter- und Sturmwarnungen) und road.is (Straßenzustand) prüfen.
Safetravel nutzen
Auf safetravel.is gibt es aktuelle Warnungen und Sicherheitshinweise für alle Regionen.
Festes Schuhwerk
Nasse Pfade, Trittsteine und schwarzer Sand: Wasserdichte Wanderschuhe zahlen sich täglich aus.
Kurze Tage einplanen
Das Tageslicht wird im Herbst schnell knapp: Etappen kurz halten und früh starten.
Nordlichter jagen
Abends die Aurora-Vorhersage checken und einen dunklen Standort ohne Streulicht suchen.
Fast bargeldlos
Island funktioniert per Karte, auch Parkplätze und Tankautomaten. Kreditkarte mit PIN mitnehmen.
Stopps doppelt nutzen
Hin- und Rückweg auf derselben Strecke: Lieblingsorte bei anderem Licht ein zweites Mal besuchen.
Gletscher nur mit Guide
Gletscherzungen nie auf eigene Faust betreten: Spalten und Kanten sind nicht erkennbar.
Respekt vor den Wellen
An Reynisfjara und Diamond Beach nie mit dem Rücken zum Meer: Sneaker Waves sind lebensgefährlich.
Einkaufen & Tanken planen
Zwischen Vík und Höfn sind Supermärkte rar: Vorräte auffüllen und den Tank nie leer fahren.
Unterkünfte vorbuchen
Auch im Herbst sind die wenigen Häuser an der Südküste schnell voll, besonders rund um Vík.
Impressionen
Die Reise in Bildern
Wasserfälle & Geothermie
Vom dampfenden Thermalfeld bis zum donnernden Gletscherfluss: die Kraft aus Islands Erdinnerem in Bildern.









Schwarze Strände, Gletscher & Berge
Islands Süden zwischen Vulkansand und ewigem Eis, von Reynisfjara bis zum Vestrahorn.










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Gletscherwanderung, Eishöhlen, Bootsfahrt auf der Jökulsárlón-Lagune oder Nordlicht-Tour: Die gefragten Termine sind im Herbst schnell weg, also Verfügbarkeit früh prüfen.
