Weiße und blaue Eisberge treiben in der Gletscherlagune Jökulsárlón

Reise-Guide

Jökulsárlón & Diamond Beach: Gletscherlagune mit Plan

Jökulsárlón war der Moment, in dem bei uns alle im Auto gleichzeitig „wow" gesagt haben: Eisberge treiben durch eine Lagune Richtung Meer, und gegenüber funkeln ihre Reste als glasklare Brocken auf schwarzem Sand. Für viele ist die Lagune ein Fotostopp von 30 Minuten. Wir zeigen dir, warum du deutlich mehr Zeit mitbringen solltest und wie du sie am besten nutzt.

Lage
Direkt an der Ringstraße im Südosten, rund 80 km vor Höfn; Diamond Beach gegenüber an der Flussmündung
Was passiert hier
Die Gletscherzunge Breiðamerkurjökull kalbt in Islands tiefste Lagune, die Eisberge treiben langsam Richtung Meer
Kosten
Lagune und Strand sind frei zugänglich, gezahlt wird nur fürs Parken; Bootstouren kosten extra
Zeitbedarf
Mindestens ein halber Tag für beide Ufer und den Strand; wir sind deutlich länger geblieben als geplant
Tiere
Robben ziehen regelmäßig zwischen den Eisbergen durch, im Sommer jagen Küstenseeschwalben über der Lagune

So holst du alles aus dem Besuch

  1. Früh an der Lagune startenUferwege in beide Richtungen laufen, zehn Minuten zu Fuß trennen dich vom Gedränge.
  2. Vormittags aufs WasserZodiac oder Amphibienboot, in der Saison von Mai bis Oktober; Zodiac vorbuchen.
  3. Nachmittags zum Diamond BeachBeide Seiten der Flussmündung ablaufen, im tiefen Licht funkelt das Eis am stärksten.
  4. Abends der BonusFjallsárlón als stiller Zusatzstopp; im Herbst die Nordlicht-Chance über der Lagune.

Die Lagune: Eis auf dem Weg ins Meer

Jökulsárlón ist jung: Erst seit den 1930er Jahren zieht sich der Breiðamerkurjökull, eine Auslasszunge des Vatnajökull, so weit zurück, dass sich vor ihm diese Lagune bilden konnte, inzwischen die tiefste Islands. Die Eisberge, die von der Gletscherkante abbrechen, treiben teils jahrelang durch das Becken, bevor sie klein genug sind, um durch den kurzen Fluss ins Meer zu entkommen. Manche sind schneeweiß, manche gletscherblau, manche von schwarzen Aschebändern vergangener Vulkanausbrüche durchzogen; und mit jedem Windstoß sortiert sich das Bild neu.

Genau das ist der Grund, warum du hier nicht nur den Parkplatz-Blick nehmen solltest: Vom Hauptparkplatz aus führen Uferwege in beide Richtungen, und schon zehn Minuten zu Fuß trennen dich vom Gedränge. Mit etwas Glück tauchen zwischen den Eisbergen die Köpfe neugieriger Robben auf, die in der Lagune jagen. Wir sind bei unserem Besuch im Herbst mehrfach zurückgekommen, morgens und am späten Nachmittag, und hatten beide Male eine andere Lagune vor uns.

Blau schimmernder Eisberg vor der Gletscherzunge Breiðamerkurjökull

Diamond Beach: die Fortsetzung am Meer

Direkt gegenüber der Lagune, wo der Gletscherfluss unter der Ringstraßenbrücke ins Meer mündet, spült die Brandung die Eisberge zurück an Land: Auf dem schwarzen Sand liegen glasklare Brocken wie verstreute Diamanten, vom faustgroßen Splitter bis zum wagengroßen Block. Kein Besuch gleicht dem anderen, Tide und Wind räumen den Strand täglich neu ein; nach stürmischen Nächten liegt am meisten Eis, an ruhigen Tagen kann der Strand fast leer sein.

Es gibt Parkplätze auf beiden Seiten der Flussmündung, die Westseite ist meist voller, die Ostseite oft die ruhigere Wahl. Und so harmlos der Strand wirkt: Hier gilt dieselbe Regel wie an allen Südküsten-Stränden. Die Brandung greift ohne Vorwarnung weit den Strand hinauf, also Abstand zur Wasserlinie halten, nie mit dem Rücken zum Meer fotografieren und nicht auf die Eisblöcke klettern, sie sind glatt und werden von den Wellen bewegt.

Glasklare Eisbrocken auf dem schwarzen Sand des Diamond Beach

Aufs Wasser: Zodiac oder Amphibienboot?

In der Saison bringen zwei Bootstypen dich zwischen die Eisberge, und sie liefern ziemlich unterschiedliche Erlebnisse. Das Amphibienfahrzeug rollt vom Ufer direkt ins Wasser, dreht eine gemütliche Runde durch den unteren Teil der Lagune und ist mit seiner stabilen Plattform die familientaugliche Wahl. Das Zodiac-Schlauchboot ist schneller, kommt deutlich weiter Richtung Gletscherkante und näher an die großen Eisberge; dafür sitzt du im Overall im Fahrtwind, und die Plätze sind knapper.

Wir sind bei unserem Besuch am Ufer geblieben, die Lagune wirkt auch von dort; für diesen Vergleich haben wir die Tourtypen gründlich recherchiert. Wichtig für die Planung: Die Boote fahren nur in der Saison von etwa Mai bis Oktober, im Winter liegt die Lagune still. Und die Zodiac-Termine sind wegen der kleinen Boote regelmäßig Tage im Voraus ausgebucht, während das Amphibienboot öfter spontan klappt.

Licht, Jahreszeiten und der Winter-Bonus

Das beste Licht hat die Lagune am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn die tiefe Sonne das Eis von der Seite trifft; am Diamond Beach funkeln die Brocken dann am stärksten, aus der Hocke fotografiert, wenn die Wellen um das Eis herumziehen. Die Mittagsstunden sind die vollsten: Dann treffen die Tagestouren aus Reykjavík ein, die für die Lagune nur einen knappen Stopp einplanen. Wer wie wir in der Nähe übernachtet, hat morgens und abends beide Ufer fast für sich.

Im Herbst kommt die Nordlicht-Chance dazu: Die Lagune liegt fern von jedem Ortslicht, und eine Aurora über treibenden Eisbergen gehört zum Eindrucksvollsten, was Island zu bieten hat. Im Winter wird die Region dann zum Ausgangspunkt für die berühmten blauen Eishöhlen im Breiðamerkurjökull: Die Touren starten meist direkt am Lagunen-Parkplatz und laufen etwa von November bis März, nur mit Guide und wetterabhängig. Ein Grund mehr, warum diese Ecke Islands in jeder Jahreszeit funktioniert.

Klarer Eisblock im rosa Abendlicht auf dem schwarzen Sand des Diamantstrands

Praktisches: Anfahrt, Basis und die stille Alternative

Jökulsárlón liegt direkt an der Ringstraße, rund fünf Fahrstunden von Reykjavík; als Tagesausflug von dort ist die Lagune eine Gewalttour. Sinnvoller ist sie als Etappenziel einer Südküsten-Route mit Übernachtung im Raum Höfn, so haben wir es in unserer Südisland-Route gemacht: Höfn ist als „Hummerhauptstadt" Islands zudem der beste Ort weit und breit fürs Abendessen. Vor Ort gibt es am Hauptparkplatz Kaffee und Snacks, die nächste echte Versorgung liegt aber erst wieder in Höfn; Tank und Proviant also vorher auffüllen.

Und wenn dir am Hauptparkplatz zu viel Betrieb ist: Zehn Fahrminuten westlich liegt Fjallsárlón, die kleine Schwester der Lagune. Sie ist enger, die Gletscherzunge wirkt näher, und der Besucherandrang ist ein Bruchteil. Als Ersatz für Jökulsárlón taugt sie nicht, als stiller Zusatzstopp umso mehr; beide zusammen machen den Gletscher-Teil der Südküste komplett.

Unterwegs auf der Ringstraße, voraus die Eiskappe des Vatnajökull

Bootstouren auf der Lagune im Vergleich

Beide Touren starten direkt an der Lagune und laufen nur in der Saison von etwa Mai bis Oktober. Das sind die Unterschiede, die bei der Wahl wirklich zählen:

Der gemütliche Klassiker

Amphibienboot

  • Rollt vom Ufer direkt in die Lagune, kein Umsteigen
  • Rund 35 bis 40 Minuten durch den unteren Lagunenteil
  • Stabile Plattform, auch für Kinder und Gehbehinderte gut machbar
  • Größere Boote, öfter auch spontan ein Platz frei

Für wen: Familien und alle, die die Eisberge entspannt und trocken vom Wasser aus sehen wollen.

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Nah ans Eis

Zodiac-Tour

  • Schnelles Schlauchboot mit Overall, deutlich sportlicher
  • Rund eine Stunde auf dem Wasser, weiter Richtung Gletscherkante
  • Kommt am nächsten an die großen Eisberge und Robben heran
  • Kleine Gruppen, Termine oft Tage im Voraus ausgebucht

Für wen: Fotografen und alle, die der Gletscherkante so nah wie möglich kommen wollen.

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Saisonzeiten und Ausstattung Stand August 2026; Details und aktuelle Termine beim Anbieter prüfen.

Unsere Tipps auf einen Blick

  • Mindestens einen halben Tag einplanen, die Lagune ändert sich mit jedem Licht- und Windwechsel
  • Morgens oder am späten Nachmittag kommen, mittags treffen die Tagestouren aus Reykjavík ein
  • Am Diamond Beach beide Seiten der Flussmündung checken, die Ostseite ist meist leerer
  • Zodiac-Touren früh vorbuchen, die kleinen Boote sind regelmäßig ausgebucht
  • Abstand zur Brandung halten und nie auf die Eisblöcke am Strand klettern
  • Im Herbst abends wiederkommen: Nordlichter über der Lagune sind ein Gänsehaut-Moment
  • Fjallsárlón als stillen Zusatzstopp mitnehmen, nur zehn Fahrminuten westlich
  • Vor der Etappe tanken und Proviant auffüllen, zwischen Vík und Höfn ist die Versorgung dünn

Touren an der Gletscherlagune

Zodiac, Amphibienboot oder im Winter die blaue Eishöhle: Verfügbarkeit für dein Reisedatum prüfen, die kleinen Boote sind schnell voll.

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Ausrüstung für Eis und Gischt

Polfilter gegen Reflexe auf dem Eis, stabiles Stativ für Langzeitbelichtungen am Strand und Ersatzakkus, die Kälte frisst Strom.

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Häufige Fragen

Kostet Jökulsárlón Eintritt?

Nein, Lagune und Diamond Beach sind frei zugänglich; du zahlst nur die Parkgebühr am Hauptparkplatz. Kostenpflichtig sind die Bootstouren und im Winter die geführten Eishöhlen-Touren.

Zodiac oder Amphibienboot: Welche Tour ist besser?

Das Amphibienboot ist die entspannte, familientaugliche Runde durch den unteren Lagunenteil. Das Zodiac kommt deutlich weiter Richtung Gletscherkante und näher ans Eis, ist aber sportlicher und schneller ausgebucht. Für Fotografen: Zodiac; für alle anderen ist das Amphibienboot völlig ausreichend.

Fahren die Boote das ganze Jahr?

Nein, die Saison läuft etwa von Mai bis Oktober, abhängig von Wetter und Eislage. Im Winter liegt die Lagune still; dafür starten dann am Parkplatz die Touren in die blauen Eishöhlen des Breiðamerkurjökull (etwa November bis März, nur mit Guide).

Wann ist die beste Uhrzeit für die Lagune?

Früh morgens und am späten Nachmittag: Das tiefe Licht bringt das Eis zum Leuchten, und die Tagestour-Busse aus Reykjavík sind noch nicht da oder schon weg. Wer in der Nähe übernachtet, ist klar im Vorteil; wir sind mehrfach zurückgekommen und hatten jedes Mal ein anderes Bild.

Lohnt Jökulsárlón als Tagesausflug ab Reykjavík?

Nur bedingt: Es sind rund fünf Fahrstunden pro Richtung, als Tagestour bleibt an der Lagune kaum eine Stunde. Deutlich besser ist die Lagune als Etappenziel einer Südküsten-Route mit Übernachtung im Raum Höfn aufgehoben, so haben wir es gemacht.

Sieht man an der Lagune wirklich Robben?

Die Chancen stehen gut: Robben jagen regelmäßig in der Lagune und tauchen zwischen den Eisbergen auf, besonders nahe der Flussmündung. Eine Garantie gibt es nicht, aber wir haben bei unserem Besuch mehrere gesehen; ein Fernglas macht die Suche leichter.