Reise-Guide

Islands Süden in 5 bis 7 Tagen: unsere Herbst-Route

Diese Route sind wir im Herbst komplett selbst gefahren: von Keflavík über die Südküste bis Höfn und zurück. Islands Süden ist der dichteste Abschnitt der Insel, Wasserfälle, schwarze Strände, Gletscher und Lagunen liegen hier im Halbstunden-Takt. So teilst du die Strecke sinnvoll auf, ohne nur Parkplätze abzuhaken.

Eisbrocken glitzern in der Brandung am schwarzen Diamantstrand
Dauer
5 Tage machbar, 7 Tage entspannt (unsere Empfehlung)
Strecke
Keflavík bis Höfn und zurück, rund 1.000 km auf Ringstraße und Stichstraßen
Fahrzeug
Normaler Pkw reicht, die Route bleibt auf Asphalt (so waren wir unterwegs)
Beste Zeit
Ganzjährig befahrbar; Herbst kombiniert Farben, wenig Betrieb und Nordlicht-Chancen
Übernachten
2 bis 3 Standorte statt täglichem Umzug: Raum Hella/Vík und Raum Höfn

Tag 1: Ankommen auf Reykjanes statt durchrasen

Unser bester Island-Tipp steht gleich am Anfang: Bleib die erste Nacht in Keflavík. Wir haben den Mietwagen direkt am Flughafen übernommen, sind bewusst nicht mehr weitergefahren und am nächsten Morgen ausgeschlafen gestartet. Die Reykjanes-Halbinsel vor der Haustür wird völlig unterschätzt: dampfende Geothermalfelder, die Brücke zwischen den Kontinentalplatten und Lavafelder bis zum Horizont stimmen perfekt auf die Insel ein.

Wer die Blaue Lagune plant, legt sie auf diesen Anreisetag oder ganz ans Ende vor den Rückflug, sie liegt nur Minuten vom Flughafen. Zeitfenster unbedingt vorbuchen.

Tag 2: Golden Circle als Auftakt Richtung Süden

Der Klassiker funktioniert als Transfertag: Þingvellir mit der Allmännerschlucht (Parkplätze P1 bis P5, gebührenpflichtig), das Geothermalgebiet um den Geysir Strokkur und der Gullfoss. Ja, hier ist am meisten Betrieb der ganzen Route; früh starten entzerrt die ersten beiden Stopps deutlich.

Am Nachmittag geht es über Straße 30 oder 35 hinunter zur Südküste in den Raum Hella/Hvolsvöllur, deine Basis für die nächsten Nächte. Ab hier fährt die Route nur noch nach Osten, und jeder Tag wird spektakulärer als der davor.

Herbstlich gefärbtes Moos auf den Felswänden der Almannagjá-Schlucht

Tag 3: Wasserfall-Tag (Seljalandsfoss, Skógafoss) und die DC-3

Zwei der berühmtesten Wasserfälle Islands liegen nur 30 Kilometer auseinander. Hinter dem Seljalandsfoss kannst du komplett herumlaufen, eine wasserdichte Jacke ist dabei keine Empfehlung, sondern Pflicht. Der Skógafoss danach ist der Kraftprotz: 60 Meter Fallhöhe, und wer die Treppe an der Seite steigt, sieht ihn von oben und startet direkt in die ersten Meter des Fimmvörðuháls-Wegs.

Der Abstecher zum DC-3-Flugzeugwrack auf dem schwarzen Sander von Sólheimasandur ist Geschmackssache: knapp vier Kilometer schnurgerade Fußweg pro Richtung, ohne jeden Windschutz, gute 45 bis 60 Minuten je Weg oder der kostenpflichtige Shuttle. Im flachen Herbstlicht fanden wir den Ort eindrucksvoll, bei Schlechtwetter kannst du ihn guten Gewissens streichen.

Blick von Dyrhólaey über den endlosen schwarzen Strand, eine Person am Klippenrand

Tag 4: Dyrhólaey, Reynisfjara und Vík

Der Felsbogen von Dyrhólaey liefert die beste Aussicht der Südküste: auf der einen Seite der endlose schwarze Strand, auf der anderen die Gletscherkappe des Mýrdalsjökull. Von hier geht es zum berühmtesten schwarzen Strand der Insel: Reynisfjara mit seinen Basaltsäulen und den Felsnadeln im Meer. Nimm die Warnschilder ernst, die Sneaker Waves hier sind keine Touristen-Folklore, sondern reißen regelmäßig Menschen ins Meer; bleib weit von der Wasserlinie.

Vík selbst ist ein guter Standort für die Nacht, und wer das Gletschereis von innen sehen will, bucht hier die Katla-Eishöhlen-Tour: Der Super-Jeep-Transfer über die Schwemmebene ist das halbe Abenteuer, und anders als die blauen Winterhöhlen am Vatnajökull geht die Katla-Höhle fast ganzjährig, ideal für Herbstreisen wie unsere.

Wellen zeichnen weiße Schaumlinien auf den schwarzen Lavastrand

Tag 5 & 6: Skaftafell, Jökulsárlón und der Diamantstrand

Östlich von Vík wechselt die Landschaft in den Gletscher-Modus. Die Fjaðrárgljúfur-Schlucht ist der perfekte Beinstreck-Stopp, danach beginnt mit dem Skaftafell-Gebiet der Vatnajökull-Nationalpark: Hier starten die geführten Gletscherwanderungen (auf eigene Faust ist das Eis tabu), und der kurze Weg zum Svartifoss mit seinen Basaltorgeln lohnt auch ohne Steigeisen.

Das Finale ist die Gletscherlagune Jökulsárlón, für uns der stärkste Einzelort der Route: Eisberge treiben Richtung Meer, Robben ziehen zwischen ihnen durch, und auf dem schwarzen Diamantstrand gegenüber schleift die Brandung die Eisbrocken zu glasklaren Skulpturen. Wir haben hier Stunden verbracht, das Licht ändert alles im Viertelstundentakt. Wer mag, geht aufs Wasser: Die Zodiac-Boote kommen näher an die Eisberge als die Amphibienfahrzeuge.

Klarer Eisblock im rosa Abendlicht auf dem schwarzen Sand des Diamantstrands

Tag 7: Stokksnes, Höfn und die Nordlicht-Frage

Wer die volle Woche hat, hängt den Abschnitt bis Höfn an: Der Vestrahorn am Schwarzstrand von Stokksnes ist einer der fotogensten Berge Islands (privater Zugang, kleine Gebühr), und Höfn selbst ist Islands Hummer-Hauptstadt, das Abendessen dort ein würdiger Routen-Abschluss. Zurück nach Westen fährt sich die Strecke an einem Tag, mit neuem Blickwinkel auf alles, was du auf dem Hinweg verpasst hast.

Und die Polarlichter? Genau dafür ist der Herbst die clevere Zeit: dunkle Nächte ab Ende August, aber noch keine Wintersperren. Unsere Strategie war simpel und hat funktioniert: Wolkenradar am Abend prüfen, raus aus dem Ortslicht, warten. Die Aurora über der Südküste gehört zu unseren stärksten Island-Erinnerungen; eine Garantie gibt es nie, aber sieben Nächte sind sieben Chancen.

Grünes Nordlichtband über herbstlichen Büschen neben einer Laterne

Unsere Tipps auf einen Blick

  • Erste Nacht in Keflavík bleiben und ausgeschlafen starten, statt müde nach Reykjavik zu hetzen
  • Mit 2 bis 3 festen Standorten arbeiten (Hella/Vík und Höfn) statt täglich umzuziehen
  • Unterkünfte an der Südküste früh buchen, die Auswahl zwischen Vík und Höfn ist dünn
  • Wasserdichte Jacke griffbereit halten: Seljalandsfoss und Reynisfjara-Gischt verzeihen nichts
  • An Reynisfjara weit von der Wasserlinie bleiben, die Sneaker Waves sind lebensgefährlich
  • Tanken, wenn der Tank halb leer ist; östlich von Vík werden die Tankstellen rar
  • Abends das Wolkenradar prüfen: Ab Ende August sind die Nächte dunkel genug für Polarlichter
  • Gletscher nur mit geführter Tour betreten, Termine für Skaftafell vorab sichern

Touren entlang der Südküste

Gletscherwanderung im Skaftafell, Katla-Eishöhle, Zodiac-Fahrt auf der Lagune: Die gefragten Termine sind im Herbst schnell weg, Verfügbarkeit früh prüfen.

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Mietwagen für die Südküsten-Route

Übernahme direkt am Flughafen Keflavík, Vollkasko ohne Selbstbeteiligung inklusive Glas und Schotter: Worauf es ankommt, steht in unserem Island-Mietwagen-Guide.

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Häufige Fragen

Reicht ein normaler Pkw für diese Route?

Ja, die komplette Route bleibt auf asphaltierten Straßen; genau so sind wir sie gefahren. Allrad wird erst im Hochland oder tief im Winter zum Thema. Wichtiger als der Antrieb ist die Versicherung: Vollkasko ohne Selbstbeteiligung inklusive Glas, die Steinschlag-Gefahr ist real.

Warum nicht gleich die ganze Ringstraße?

Für die komplette Ringstraße solltest du 10 bis 14 Tage rechnen, sonst wird sie zur Abhak-Tour. Der Süden bündelt die höchste Dichte an Highlights; wir haben uns bewusst dafür entschieden und nichts bereut. Der Norden ist damit ein Grund wiederzukommen.

Ist der Herbst nicht zu riskant vom Wetter her?

Der Herbst war für uns der Sweet Spot: weniger Betrieb, Herbstfarben, dunkle Nächte für Polarlichter, und die Straßen der Südküste bleiben normal befahrbar. Sturm-Tage kommen vor; plane die Route so, dass du Etappen tauschen kannst, und prüfe täglich Wetter- und Straßenlage.

Wo übernachtet man auf dieser Route am besten?

Mit zwei bis drei Basen bist du am entspanntesten: erst Raum Hella/Hvolsvöllur oder Vík für die Wasserfall- und Strand-Tage, dann Raum Höfn für Gletscher und Lagune. Die Häuser, in denen wir selbst geschlafen haben, findest du auf unserer Island-Hotel-Seite.

Sieht man auf dieser Route wirklich Polarlichter?

Ab Ende August stehen die Chancen bei klarem Himmel gut, wir haben sie auf genau dieser Route selbst gesehen. Entscheidend sind dunkle Nächte, wenig Wolken und Geduld; die Südküste hat kaum Lichtverschmutzung, sobald du die Orte verlässt.

Wie teuer ist die Route?

Island bleibt eines der teuersten Reiseziele Europas: Mietwagen, Unterkünfte und Essen sind die großen Posten, die Natur selbst kostet fast nichts (nur Parkgebühren). Die größten Sparhebel sind früh gebuchte Flüge und Unterkünfte sowie Verpflegung aus dem Supermarkt; einen Überblick gibt unser Budget-Rechner.