
- Lage
- Zwischen Åndalsnes und dem Geirangerfjord (Møre og Romsdal)
- Eröffnet
- 1936 nach acht Jahren Bauzeit, großteils in Handarbeit errichtet
- Saison
- Nur im Sommerhalbjahr geöffnet; Status vor der Fahrt prüfen, es gab zuletzt steinschlagbedingte Sperrungen
- Strecke
- Elf enge Kehren mit rund 10 % Steigung, unterwegs stürzt der Stigfossen neben der Straße herab
- Unsere Route
- Von Åndalsnes hinauf, weiter über die Fähre von Linge nach Eidsdal zum Geirangerfjord
Die Auffahrt: Respekt ja, Angst nein
Die Straße ist schmal, aber gut ausgebaut, mit Ausweichbuchten in den Kehren. Wer vorausschauend fährt und im Zweifel dem Gegenverkehr den Vortritt lässt, kommt entspannt hinauf; auch Wohnmobile fahren die Strecke täglich. Anstrengend wird es nur zur Mittagszeit im Hochsommer, wenn sich Kolonnen bilden. Unsere Erfahrung: früh morgens oder am Abend fahren, dann gehört einem die Straße fast allein.
Ein paar Fahrtechnik-Basics machen die Sache noch entspannter: bergauf in niedrigem Gang gleichmäßig ziehen statt in den Kehren zu beschleunigen, bergab mit Motorbremse fahren, damit die Bremsen nicht überhitzen. Die Steinmauern am Fahrbahnrand sind niedrig, halten die Straße aber optisch gut zusammen; wer nicht gern am Abgrund fährt, nimmt einfach die talseitigen Buchten nicht zum Anhalten und konzentriert sich auf die Fahrbahn. Fotos entstehen ohnehin am besten oben an den Plattformen, nicht aus dem fahrenden Auto.
Ein Denkmal des Straßenbaus
Der Trollstigen ist nicht nur eine Aussichtsstraße, sondern auch ein Stück Ingenieursgeschichte: Acht Jahre lang wurde die Trasse in den Fels gearbeitet, zu großen Teilen mit Hacke, Schaufel und Muskelkraft, bis König Haakon VII. die Straße 1936 feierlich eröffnete. Die Natursteinmauern, die die Kehren bis heute stützen, stammen noch aus dieser Zeit und stehen unter Schutz.
Auch der Name passt zur Kulisse: „Trollstigen“ bedeutet Trollleiter oder Trollpfad, und die umliegenden Gipfel tragen Namen wie „Der König“, „Die Königin“ und „Der Bischof“. Zusammen mit der Bergwand des Trollveggen im Nachbartal, der höchsten senkrechten Felswand Europas, gehört die Gegend zu den dramatischsten Landschaften Norwegens. Es lohnt sich, die Fahrt nicht als reinen Transfer zu sehen, sondern als eigenes Tagesziel.
Oben: Besucherzentrum und Plattformen
Am Scheitelpunkt liegt das Besucherzentrum, von dem aus mehrere Aussichtsplattformen über die Kante hinausragen; der Blick fällt senkrecht auf die Kehren und das grüne Tal von Isterdalen. Der kurze Spaziergang zwischen den Plattformen lohnt sich: Jede zeigt die Straße aus einem anderen Winkel, und das Rauschen des Stigfossen ist überall dabei.
Plane oben mindestens eine Stunde ein. Die Wege zwischen den Plattformen sind kurz, aber die Perspektiven so unterschiedlich, dass man sich festschaut: mal der Blick frontal auf das Serpentinenband, mal in die Tiefe entlang des Wasserfalls. Auf gut 700 Metern Höhe kann es auch im Juli empfindlich frisch und windig sein, eine Jacke gehört in den Tagesrucksack. Bei Nebel heißt es Geduld haben: Oft reißt die Sicht binnen einer halben Stunde wieder auf.

Åndalsnes: der ideale Ausgangspunkt
Am Fuß des Passes liegt Åndalsnes am Romsdalsfjord, ein unaufgeregter kleiner Ort mit großer Kulisse. Wer hier übernachtet, kann den Trollstigen früh am Morgen fahren, bevor die Tagesgäste eintreffen. Direkt vom Ort führt außerdem der beliebte Anstieg zum Aussichtspunkt Rampestreken, dessen Stahlsteg hoch über Fjord und Stadt hinausragt; alternativ bringt dich eine Gondelbahn ohne Schweiß auf den Hausberg Nesaksla.
Bergsportler kennen die Region für die Romsdalseggen-Gratwanderung, die als eine der schönsten Tagestouren Norwegens gilt, und für den Blick auf den Trollveggen. Aber auch ohne große Tour lohnt der Ort als Basislager: Fjord, Serpentinen und Gipfel liegen hier so dicht beieinander wie kaum irgendwo sonst im Land.
Häufige Fehler vermeiden
Der häufigste Planungsfehler ist ein zu enges Zeitfenster: Wer den Trollstigen nur als Durchfahrtsstraße einplant, verpasst die Plattformen oder steht mittags in der Kolonne. Rechne für Auffahrt, Aussichtspunkte und Weiterfahrt großzügig einen halben Tag. Ebenfalls ärgerlich: die Fahrt fest einplanen, ohne den Straßenstatus zu prüfen. Die Öffnung hängt von Schneelage und Steinschlagsicherung ab, und bei Sperrung ist die Umfahrung lang.
Und schließlich das Wetter: Bei dichtem Nebel oben verliert der Pass seinen ganzen Reiz, denn gefahren wird dann auf Sicht und gesehen wird nichts. Wenn deine Route es zulässt, halte dir einen Ausweichtag frei oder fahre die Strecke in der Richtung, die das bessere Wetterfenster trifft.
Weiterfahrt zum Geirangerfjord
Der Trollstigen ist die erste Hälfte einer der schönsten Panoramastrecken Norwegens: Hinter dem Pass geht es über Valldal zur Fähre von Linge nach Eidsdal und weiter über die Adlerkehre hinunter nach Geiranger. Wer beides an einem Tag fährt, erlebt Serpentinen, Fähre und Fjordblick in einer einzigen Etappe, so wie wir.
Das Tal von Valldal ist nebenbei Norwegens Erdbeerkammer: Im Hochsommer verkaufen Höfe entlang der Straße ihre Ernte direkt am Stand, ein perfekter Zwischenstopp vor der Fähre. Die Überfahrt selbst dauert nur wenige Minuten und ist unkompliziert; in der Hochsaison kann sich vor der Rampe eine Schlange bilden, die aber meist mit der nächsten oder übernächsten Abfahrt abgearbeitet ist.
Unsere Tipps auf einen Blick
- Früh oder spät fahren, mittags ist am meisten Verkehr
- Straßenstatus vorab prüfen: Öffnung ist schneelage- und wetterabhängig
- Zeit fürs Besucherzentrum einplanen, die Plattformen sind der eigentliche Höhepunkt
- Mit dem Trollstigen-Tag gleich die Weiterfahrt nach Geiranger verbinden
- Bergab Motorbremse nutzen, das schont die Bremsen in den elf Kehren
- Jacke einpacken: Oben am Besucherzentrum ist es auch im Sommer windig und frisch
- Im Hochsommer in Valldal an einem Erdbeerstand halten, die Region ist dafür berühmt
Erlebnisse rund um Åndalsnes & Geiranger
Touren entlang der Strecke, vom Fjord bis zur Berglandschaft.
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Häufige Fragen
Wann ist der Trollstigen geöffnet?
Nur im Sommerhalbjahr, je nach Schneelage etwa von Mai/Juni bis in den Oktober. Wegen Steinschlagsicherungen kam es zuletzt zu längeren Sperrungen; prüfe den aktuellen Status kurz vor der Fahrt.
Ist der Trollstigen mit dem Wohnmobil machbar?
Ja, die Strecke wird täglich von Wohnmobilen und Bussen gefahren. Wichtig sind vorausschauendes Fahren, die Ausweichbuchten in den Kehren und Geduld im Hochsommer.
Kostet der Trollstigen Maut?
Nein, die Passstraße selbst ist mautfrei. Nur das Parken am Besucherzentrum oben ist bewirtschaftet.
In welche Richtung fährt man den Trollstigen am besten?
Beide Richtungen sind machbar und landschaftlich gleichwertig. Von Åndalsnes bergauf hast du die Felswände vor der Windschutzscheibe und stehst oben direkt an den Plattformen; bergab ist die Motorbremse dein wichtigstes Werkzeug. Wir sind wie die meisten Roadtripper von Åndalsnes Richtung Geiranger gefahren.
Wie lange dauert die Fahrt über den Trollstigen?
Die reine Auffahrt ist in einer knappen halben Stunde erledigt. Mit Fotostopps, Besucherzentrum und Plattform-Spaziergang solltest du zwei bis drei Stunden einplanen, für die Gesamtstrecke bis Geiranger inklusive Fähre einen halben Tag.
Lohnt der Trollstigen auch bei schlechtem Wetter?
Bei leichtem Regen ja, dann führt der Stigfossen sogar mehr Wasser und die Wolken hängen dramatisch in den Wänden. Bei dichtem Nebel dagegen siehst du weder Kehren noch Tal; dann lieber ein Wetterfenster abwarten, die Sicht ändert sich oben oft schnell.