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Reise-Guide

Die Atlantikstraße: Brücken übers offene Meer

Acht Brücken, die sich über Schären und offenes Meer schwingen: Die Atlantikstraße zwischen Kårvåg und Bud gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. In einer halben Stunde ist sie gefahren, wenn man sich nicht festhalten lässt. Wir haben uns festhalten lassen.

Die Atlantikstraße: Brücken übers offene Meer
Lage
Küstenabschnitt zwischen Molde und Kristiansund (Fylke Møre og Romsdal)
Länge
Gut 8 Kilometer mit acht Brücken; Star ist die geschwungene Storseisundbrua
Eröffnet
1989 nach sechs Jahren Bauzeit, in denen mehrere schwere Stürme die Baustelle trafen
Kosten
Mautfrei: Die Straße ist längst abbezahlt
Zeitbedarf
30 Minuten Durchfahrt, mit Fotostopps eher ein bis zwei Stunden

Die Storseisundbrua: die berühmteste Kurve Norwegens

Aus dem richtigen Winkel sieht die größte Brücke der Strecke aus, als ende sie im Nichts. Dieser optische Trick hat die Atlantikstraße weltberühmt gemacht. Die Rastplätze an beiden Enden sind die besten Standorte für das klassische Foto; ein kurzer Spaziergang auf den angelegten Wegen liefert die Perspektive, die vom Auto aus verborgen bleibt.

Die Täuschung entsteht durch die Bauform: Die Brücke steigt steil an, verdreht sich dabei leicht und fällt hinter dem Scheitel in einer Kurve wieder ab. Je nachdem, wo du stehst, wirkt sie wie eine Sprungschanze, eine Achterbahn oder eine elegante Welle. Nimm dir die Zeit, beide Seiten auszuprobieren, denn die „Brücke ins Nichts“ zeigt sich nur aus bestimmten Winkeln, während sie von anderen Standpunkten überraschend harmlos aussieht.

Die Storseisundbrua: die berühmteste Kurve Norwegens

Rastplätze, Stege und das Meer

Entlang der Strecke liegen mehrere architektonisch gestaltete Rastplätze mit Stegen, die direkt über die Brandung führen. Bei ruhigem Wetter ist es ein Spaziergang zwischen Schären, bei Sturm ein Naturschauspiel: Dann schlagen die Wellen über die Fahrbahn, und die Atlantikstraße zeigt, warum sie so heißt. Ganz in der Nähe lohnt außerdem die Bremsneshola, eine begehbare Küstenhöhle aus der Steinzeit, die wir auf dem Weg besucht haben.

Der bekannteste Halt ist die Insel Eldhusøya mit ihrem schwebenden Rundweg: Ein Gittersteg führt einmal um das Inselchen herum, unter dir Heidekraut und Fels, neben dir das offene Meer und der Blick auf die Storseisundbrua. Auch Angler haben die Strecke für sich entdeckt; an einer der Brücken sind eigens Laufstege für das Angeln direkt über der Meerenge angelegt, und an guten Tagen stehen dort die Ruten dicht an dicht.

Vom Bahnprojekt zur Traumstraße

Die Idee, die Inselkette zu verbinden, ist älter als das Auto-Zeitalter: Anfang des 20. Jahrhunderts war hier zunächst eine Eisenbahnlinie im Gespräch, die nie gebaut wurde. Erst in den 1980er-Jahren entstand die heutige Straße, und die Bauzeit wurde zur Legende: Mehrere schwere Stürme trafen die exponierte Baustelle mitten im offenen Meer, bevor die Strecke 1989 eröffnet werden konnte.

Die anfangs erhobene Maut war schneller abbezahlt als geplant, seit Ende der 1990er-Jahre ist die Durchfahrt frei. Heute ist die Atlantikstraße als Nationale Touristenstraße ausgezeichnet, und ihre Rastplatz-Architektur ist Teil des Konzepts: Norwegen lässt entlang seiner schönsten Strecken bewusst zeitgenössische Architektur in die Landschaft bauen, vom Aussichtssteg bis zum skulpturalen Toilettenhäuschen.

Fotografie-Tipps für die Brückenkurve

Das klassische Motiv mit der „Brücke ins Nichts“ gelingt am besten mit etwas Brennweite vom Rastplatz auf der Kårvåg-Seite; ein leichtes Tele staucht die Kurve und verstärkt den Effekt. Für Stimmungen lohnt das Abendlicht, wenn die tiefe Sonne die Brückenbögen modelliert und das Meer golden glänzt. Die berühmten Sturmbilder mit Gischt über der Fahrbahn entstehen dagegen an genau den Tagen, an denen man freiwillig nicht fahren würde: Sicherheit geht vor, fotografiert wird dann nur von den erhöhten Rastplätzen aus.

Für Luftaufnahmen gelten die üblichen norwegischen Drohnenregeln; halte Abstand zum Verkehr und prüfe vorab, ob lokale Beschränkungen gelten. Und ein unspektakulärer, aber wichtiger Tipp: Halte ausschließlich auf den Rastplätzen. Die Fahrbahn ist schmal, Busse und Wohnmobile sind viele unterwegs, und die besten Blickwinkel liegen ohnehin an den angelegten Wegen.

Anfahrt und Kombination mit der Route

Die Atlantikstraße liegt zwischen Molde und Kristiansund und lässt sich von beiden Seiten anfahren. Besonders schön ist die Anfahrt über die alte Küstenstraße durch das Fischerdorf Bud, die immer wieder Blicke über die offene See freigibt: So steigert sich die Landschaft, bis die Brücken auftauchen. Auf der anderen Seite wartet Kristiansund, dessen Stadtbild sich über mehrere Inseln verteilt und das für seinen Klippfisch bekannt ist.

Als Halbtagesausflug kombinierst du die Strecke mit der Bremsneshola und der mittelalterlichen Stabkirche von Kvernes; wer mehr Zeit hat, hängt den Aussichtspunkt Askevågen an der Bud-Straße an, dessen Plattform frei über dem Meer zu stehen scheint. In eine größere Norwegen-Route passt die Atlantikstraße perfekt als Etappe zwischen Trollstigen-Region und Trondheim, genau so haben wir sie gefahren.

Unsere Tipps auf einen Blick

  • Für Fotos an der Storseisundbrua die Rastplätze nutzen, nicht auf der Brücke halten
  • Abendlicht macht die Brückenkurven am schönsten
  • Bei Sturmwarnung: hinfahren statt absagen, dann ist die Straße am spektakulärsten (Auto salzfrei spülen!)
  • Mit Bremsneshola und Kvernes-Stabkirche zum Halbtagesausflug verlängern
  • Den Rundweg auf Eldhusøya mitnehmen, er ist der schönste Spaziergang der Strecke
  • Die Anfahrt über Bud wählen, die alte Küstenstraße stimmt perfekt auf die Brücken ein
  • Leichtes Tele einpacken: Die berühmte „Brücke ins Nichts“ wirkt erst mit etwas Brennweite

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Häufige Fragen

Kostet die Atlantikstraße Maut?

Nein. Die frühere Maut wurde bereits in den 1990er-Jahren abgeschafft, die Durchfahrt ist frei.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Die reine Durchfahrt dauert kaum 30 Minuten. Mit den Rastplätzen, Stegen und dem Storseisundbrua-Foto werden daraus schnell ein bis zwei Stunden.

Lohnt die Atlantikstraße auch bei schlechtem Wetter?

Gerade dann: Bei Wind und Wellen zeigt die Strecke ihren rauen Charakter, Gischt inklusive. Nur festhalten sollte man Kamera und Autotür.

Von welcher Seite fährt man die Atlantikstraße am besten?

Beide Richtungen funktionieren. Von Süden über Bud kommend steigert sich die Küstenlandschaft bis zu den Brücken, von Kristiansund aus hast du die Storseisundbrua früher im Blick. Die Fotospots erreichst du in beiden Fällen gleich gut.

Ist die Atlantikstraße im Winter befahrbar?

Ja, die Strecke ist eine ganzjährig geöffnete, normale Landstraße. Im Winter musst du mit Wind, Gischt und glatten Abschnitten rechnen, dafür erlebst du das Meer von seiner wilden Seite. Die Rastplatz-Stege sind bei Sturm tabu.

Kann man an der Atlantikstraße angeln?

Ja, das Meeresangeln ist in Norwegen für den Eigenbedarf frei, und an der Strecke gibt es eigens angelegte Angelstege an einer der Brücken. Beachte die üblichen Regeln zu Mindestmaßen und zur Ausfuhr von Fisch.