
- Lage
- Westnorwegen (Møre og Romsdal), UNESCO-Weltnaturerbe
- Anreise
- Wie bei uns über den Trollstigen und die Fähre von Linge nach Eidsdal: die spektakulärste Anfahrt
- Beste Zeit
- Juni bis August (voller Betrieb); Wasserfälle am kräftigsten zur Schneeschmelze im Frühsommer
- Wasserfälle
- Sieben Schwestern, Brautschleier und der „Freier“ gegenüber
- Zeitbedarf
- Ein voller Tag für Bootstour und Aussichtspunkte
Aufs Wasser: Sightseeing-Boot oder Speedboot?
Vom Wasser aus zeigt der Fjord seine ganze Dimension: Erst unter den Wasserfällen begreift man die Größenordnung. Die klassische Fjordrundfahrt ist gemütlich und familientauglich; wir haben uns für die RIB-Speedboot-Tour entschieden: Overall und Brille werden gestellt, das Boot bringt dich bis dicht an die „Sieben Schwestern“ und den „Brautschleier“, und der Guide erzählt die Geschichten der verlassenen Berghöfe hoch über dem Wasser.
Wenn du es ruhiger magst, ist auch das Kajak eine schöne Option: Vom Wasserspiegel aus wirken die Wände noch höher, und du bestimmst das Tempo selbst. Geführte Kajaktouren starten direkt im Ort und sind auch für Einsteiger machbar, solange der Fjord ruhig liegt. Eine dritte Variante ist die Autofähre zwischen Geiranger und Hellesylt, die als Linienschiff denselben Panoramablick liefert wie die Sightseeing-Boote.
Unser Fazit: Wer Action mag und trocken bleiben will, nimmt das RIB am Morgen. Dann ist das Wasser am ruhigsten und das Licht im Fjord am schönsten.

Die Aussichtspunkte
Drei Blickwinkel solltest du einplanen: Die Adlerkehre (Ørnesvingen) an der Serpentinenstraße Richtung Eidsdal liefert das Postkartenpanorama mit Fjord und Sieben Schwestern. Der Flydalsjuvet oberhalb des Ortes ist der Klassiker für das Foto mit Kreuzfahrtblick. Und der Dalsnibba-Skywalk thront auf über 1.400 Metern; die Zufahrt ist eine private Mautstraße, dafür stehst du über den Wolken.
Die Adlerkehre ist die oberste von elf Kehren des Ørnevegen, der von Geiranger hinauf Richtung Eidsdal führt. Die Plattform liegt direkt an der Straße und kostet nur einen kurzen Stopp, deshalb ist sie zu Kreuzfahrtzeiten gut besucht. Der Flydalsjuvet hat zwei Ebenen: Vom oberen Parkplatz führt ein kurzer Pfad hinunter zum vorspringenden Felsen, auf dem die berühmten Fotos entstehen.
Für Dalsnibba solltest du das Wetter im Blick behalten: Bei tiefen Wolken siehst du oben schlicht nichts, an klaren Tagen dagegen reicht der Blick über den gesamten Fjordverlauf bis zu den Gletschern am Horizont. Die Mautstraße ist nur im Sommerhalbjahr befahrbar, und oben ist es auch im Juli empfindlich kalt. Eine Jacke gehört ins Auto.

Wandern rund um den Fjord
Der Geirangerfjord lässt sich auch zu Fuß erleben. Der beliebteste kurze Weg führt vom Ort hinauf zum Storsæterfossen, einem Wasserfall, hinter dem der Pfad tatsächlich hindurchführt: Du stehst im Trockenen hinter der Wasserwand und blickst durch den Vorhang auf das Tal. Für die Runde solltest du gut zwei Stunden und feste Schuhe einplanen, der Weg ist stellenweise steil und bei Nässe rutschig.
Anspruchsvoller ist der Aufstieg zum verlassenen Berghof Skageflå, der auf einem Felsband hoch über dem Fjord klebt. Am schönsten ist die Kombination aus Boot und Wanderung: Viele Touren setzen dich am winzigen Anleger unterhalb des Hofs ab, von dort geht es steil hinauf und anschließend auf dem Höhenweg zurück nach Geiranger. Der Blick von der Hofwiese hinunter auf die Sieben Schwestern gehört zum Eindrucksvollsten, was der Fjord zu bieten hat.
Geschichte: Berghöfe und Welterbe
Die steilen Hänge des Fjords waren bis ins 20. Jahrhundert besiedelt: Höfe wie Skageflå und Knivsflå wirtschafteten auf schmalen Felsterrassen, erreichbar nur über Steige und Leitern. Der Legende nach banden manche Familien ihre Kinder an, damit sie nicht über die Kante stürzten. Heute sind die Höfe verlassen, werden aber als Kulturdenkmäler erhalten und sind das erzählerische Herzstück jeder Bootstour.
Seit 2005 gehört der Geirangerfjord gemeinsam mit dem Nærøyfjord als „Westnorwegische Fjorde“ zum UNESCO-Weltnaturerbe. Ausgezeichnet wurde nicht nur die Landschaft selbst, sondern ihr Zusammenspiel aus Geologie, Wasserfällen und der alten Kulturlandschaft an den Hängen. Das Norsk Fjordsenter am Ortsrand erzählt genau diese Geschichte und ist die beste Schlechtwetter-Option vor Ort.
Praktisches für deinen Besuch
Der Ort Geiranger ist klein und im Sommer voll: Parkplätze sind knapp, komm früh oder parke etwas außerhalb. An Tagen mit Kreuzfahrtschiff im Fjord platzt der Ort aus allen Nähten. Wenn du flexibel bist, wirf vorab einen Blick in den Anlaufkalender und lege deinen Besuch auf einen schiffsfreien Tag.
Einkaufen und Tanken sind im Ort möglich, aber die Auswahl ist begrenzt und das Preisniveau touristisch. Wer mit dem Wohnmobil kommt, findet Stellplätze rund um den Ort, sollte in der Hochsaison aber nicht auf einen freien Platz am Abend spekulieren. Handyempfang und Kartenzahlung funktionieren wie überall in Norwegen problemlos.
Jahreszeiten im Vergleich
Der Frühsommer ist die Zeit der Wasserfälle: Zur Schneeschmelze im Juni stürzen die Sieben Schwestern mit voller Wucht, während die Gipfel ringsum noch weiß sind. Der Hochsommer bringt das stabilste Wetter und den vollen Tourenbetrieb, aber auch die meisten Besucher und die vollen Kreuzfahrttage. Der September ist die stille Alternative: weniger Schiffe, erste Herbstfarben an den Hängen, dafür führen die Wasserfälle deutlich weniger Wasser.
Im Winterhalbjahr fährt der Tourenbetrieb weitgehend herunter, die Hochstraßen wie die Zufahrt zum Dalsnibba sind gesperrt, und auch der Trollstigen als Anreiseweg fällt aus. Der Fjord selbst bleibt über die ganzjährig geräumte Straße erreichbar, zeigt sich dann aber von seiner einsamen Seite. Für den klassischen Besuch mit Bootstour und Aussichtspunkten bleibt der Sommer die richtige Wahl.
Unsere Tipps auf einen Blick
- Bootstouren im Juli/August vorbuchen, die Morgentermine sind zuerst weg
- Die Fähre von Geiranger nach Hellesylt ist die günstige „Mini-Kreuzfahrt“ durch den ganzen Fjord
- Zur Schneeschmelze (Juni) führen die Wasserfälle am meisten Wasser
- Übernachten im Ort lohnt sich: abends und früh morgens gehört der Fjord fast dir allein
- Kreuzfahrt-Anlaufkalender checken und den Besuch auf einen schiffsfreien Tag legen
- Für Dalsnibba einen klaren Tag abwarten, bei tiefen Wolken lohnt die Mautstraße nicht
- Warme Jacke einpacken: Auf dem Wasser und auf über 1.400 Metern ist es auch im Sommer kühl
Bootstouren im Geirangerfjord
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Häufige Fragen
Muss ich die Geirangerfjord-Bootstour vorbuchen?
In der Hochsaison ja, besonders die RIB-Speedboot-Touren am Vormittag sind schnell ausgebucht. Außerhalb von Juli und August bekommst du oft auch spontan einen Platz.
Wann führen die Wasserfälle am meisten Wasser?
Zur Schneeschmelze im Frühsommer (etwa Juni). Im Spätsommer werden die Sieben Schwestern deutlich dünner; schön ist der Fjord trotzdem.
Kostet der Dalsnibba-Aussichtspunkt Eintritt?
Die Zufahrt zum Skywalk führt über eine private Mautstraße, die pro Fahrzeug abgerechnet wird. Adlerkehre und Flydalsjuvet sind dagegen frei zugänglich.
Kann ich den Geirangerfjord auch ohne Bootstour erleben?
Ja: Adlerkehre, Flydalsjuvet und Dalsnibba zeigen den Fjord von oben, die Wanderung zum Storsæterfossen bringt dich mitten in die Landschaft. Die volle Wirkung der Wasserfälle erlebst du aber nur vom Wasser aus.
Wie viel Zeit sollte ich für den Geirangerfjord einplanen?
Ein voller Tag ist das Minimum für Bootstour und Aussichtspunkte. Mit einer Wanderung und etwas Ruhe im Ort werden daraus entspannt anderthalb bis zwei Tage, zumal die Anfahrt über Trollstigen und Fähre selbst schon ein halber Tagesausflug ist.
Ist der Geirangerfjord im Winter erreichbar?
Der Ort selbst ja, über die ganzjährig geräumte Hauptstraße. Trollstigen, Dalsnibba und der Tourenbetrieb pausieren aber im Winterhalbjahr, deshalb lohnt der klassische Besuch vor allem von Juni bis September.